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Plaudertasche – Kinder als Zeitungsmacher

SALZBURG (Österreich). Bereits seit mehr als zehn Jahren wird in Salzburg die Zeitung Plaudertasche herausgegeben. Das Besondere – sie wird von Kindern gemacht. Wie es bei den Kinderjournalisten zugeht und wer die Macher sind, durften wir bei der Redaktionssitzung für die 56. Ausgabe miterleben und sind begeistert von den Nachwuchsredakteuren.

Mit bunten Stiften, viel Spaß und Einsatz entsteht die Kinderzeitung(Foto: Elfriede Bauer).

Mit bunten Stiften, viel Spaß und Einsatz entsteht die Kinderzeitung (Foto: Elfriede Bauer).

Es sitzt eine bunte Schar von Redakteuren um den großen Tisch. Es sind Kinder zwischen vier und zwölf Jahren. Sie denken sich die Themen gemeinsam aus – für die Septemberausgabe ist es MUSIK – schreiben die Texte für diese Zeitung, machen Interviews, zeichnen, fotografieren. Sie sind mit einem großartigen Selbstverständnis und Feuereifer bei der Sache.

Heute liegt die druckfrische Plaudertasche in ihrer 55. Ausgabe auf dem Tisch und wird gemeinsam durchgeblättert. Sie enthält neben den Beiträgen der Kinderredaktion auch solche von ‘Außenstellen’ wie den Kids Clubs Bürmoos und Itzling oder einer Lesegruppe der NMS Tamsweg.

Iris, eine der beiden Betreuerinnen, fragt Hannah: „Wie ist es für dich, deine eigene Geschichte in der Zeitung zu lesen?“ „Komisch“, erwidert die Jungreporterin nach kurzem Zögern. Ja, es ist sicherlich etwas nicht Alltägliches, seine Geschichte in einer echten Zeitung wiederzufinden.

Reporterausweis umhängen – und los geht’s
Bei diesem Treffen begrüßt das Team zwei neue Reporter Elias und Ela. Die beiden stellen sich kurz vor. Elias kommt aus Laufen in Deutschland und will sein erstes selbst geschriebenes und gemaltes Buch vorstellen und hier mal reinschnuppern. Ela ist durch ihre Cousine Selin zur Plaudertasche gestoßen. Und mit dem Beschriften und Umhängen ihres Reporterausweises sind sie auch schon Teil des Teams und beteiligen sich voll am Geschehen. Hier gibt es kein ‘Eis, das gebrochen werden muss’, Offenheit und Kooperation stehen hier groß im Raum. Dazu trägt wohl auch das sehr offene und Willkommen heißende Konzept dieser Kinderzeitung bei.

Antonia ist seit mehr als zehn Jahren die ‘Frontfrau’ im Redaktionsleitungs- oder besser gesagt im Begleitungsteam. Sie und Iris machen ihre Arbeit einfühlsam um mit sichtlicher Freude.

Das Thema der September-Ausgabe wurde von den Kindern demokratisch gewählt. Es geht um Musik. Ideen für die  Beiträge werden diskutiert und dann geht’s ans Schreiben. Die Kinder sind mit Feuereifer und einem großartigen Selbstverständnis bei der Sache.

Die Themen stehen fest und das Zeitungmachen beginnt
Selin besucht die erste Klasse Volksschule. Wie bei der Mehrheit der heute anwesenden Kinder ist Deutsch ihre Zweitsprache. Sobald die Beiträge stehen und die Aufgaben verteilt sind, vertieft sich das Mädchen ganz in ihre Arbeit. Sie schreibt über ihre Lieblingssängerin in ihrer schönsten Schrift und blickt nur hin und wieder auf, um zu fragen: „Wie schreibt man das?“ Neben der Fokussierung auf den Inhalt ihres Beitrages ist sie sorgsam auf eine korrekte Rechtschreibung bedacht. Zwei Mädchen gehen raus in die Bücherei, um zu recherchieren. Die Neuzugänge Elias und Ela werden interviewt, denn von neuen Reportern erscheint in der jeweils nächsten Ausgabe ein Steckbrief.

Berkay, Selins Bruder, ist mit seinen vier Jahren, heute der Jüngste im Team. Er wird als vollwertiges Mitglied behandelt. Erst malt er, dann erhält er auf seinen Wunsch hin ein Schreibblatt wie die anderen und bringt in seiner ‘Schrift’ seine Geschichte zu Papier. Es ist faszinierend und begeisternd mit welcher Hingabe dieser kleine Junge seine selbst gewählte Aufgabe erledigt. Das Blatt wird gefüllt, Zeile für Zeile, bis zum untersten Rand. Dann ein erleichtertes, hörbares Durchatmen, Handgelenk ausschütteln. Fertig.

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Nach zwei Stunden intensivem und gleichzeitig entspanntem Besprechen und Schreiben ist es Zeit, sich zu verabschieden. Einige Kinder melden sich noch für freiwillige ‘Hausaufgaben’.

So entspannt und lustvoll kann kreatives und produktives Arbeiten sein. Und wir dürfen gespannt sein auf die neue Ausgabe der Plaudertasche im September!

Wer die Plaudertasche 4 x jährlich kostenlos im Briefkasten haben möchte, kann sie per Email unter Angabe der Adresse und des Geburtsjahres an plaudertasche@spektrum.at anfordern. Unter der gleichen Emailadresse oder der Telefon-Nummer +43 (0)662/434216 erhält man auch weitere Informationen zu diesem Kinderprojekt.

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