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Eine Oase der Menschlichkeit geht auf die Bühne

SALZBURG / STUTTGART / LEIPZIG / BERLIN. Spendenaktionen gibt es viele, aber bei der Theatertournee der kolumbianischen Jugendlichen aus dem Hilfsprojekt CES Waldorf kann man nicht nur Gutes tun, sondern auch einen perfekt inszenierten Theaterabend genießen.

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Über einen gelungenen Premiereabend in Salzburg freuten sich das Theaterensemble von CES Waldorf und mit Ihnen Peter Daniell Porsche, Moderator Arno Köster und der Gründer des Hilfsprojekts, Helmut von Loebell. (Fotos: Molih)

So spärlich wie das Bühnenbild ist auch der Lebensstandard im größten Armutsviertel in Bogota, aus dem die jungen Schauspieler stammen. In dem Stück „De donde vengo yo“ (Dort wo ich herkomme) zeigt die Theatergruppe authentisch und mit großer Bühnenpräsenz, wie das Leben geprägt von Angst, Armut, Gewalt und Drogen in ihrer Heimat abläuft.

Bei der  Premiere im Salzburger Kulturforum Odeion, beeindruckten die jungen Laiendarsteller das voll besetzte Haus mit ihrer schauspielerischen Leistung. In dem Stück zeigen die Jugendlichen den Alltag in einem Elendsviertel. Das morgendlichen Aufwachen auf einer Matratze, die sich 5 Menschen teilen. Die Versuche mit Süßigkeiten- und Handyverkäufen oder dem Sammeln von Plastik und Papier für den Recyclinghof ein paar Pesos zu verdienen. Sowie die ständig lauernden Gefahren durch Gewalt und Drogen.

Und doch schaffen es immer wieder junge Menschen, aus diesem unschönen Leben auszusteigen und einen Weg in eine bessere Zukunft zu gehen. Grund dafür die das  Engagement der Lehrer, Pädagogen und Sozialarbeitern des Hilfsprojektes CES Waldorf. Der deutsche Kaufmann Helmut von Loebell begründete vor 15 Jahren die Idee, mit individueller Hilfe, Aufklärungsarbeit und einem Bildungsangebot  Familien und Kindern im Elendsviertel von Bogota einen  Zufluchtsort vor der alltäglichen Gewalt zu bieten und Wege aus der Negativspirale aufzuzeigen.

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Helmut von Loebell und Theaterstück-Autor Juan Manuel Paz Zamorra bei der Premiere in Salzburg.

“Wenn man Jugendliche sieht, die kurz davor waren, umgebracht zu werden, sich selbst umzubringen oder ins Gefängnis zu wandern und heute einen normalen Beruf haben und ein normales Leben führen, ist das ganz wunderbar”, erklärt der Gründervater sein Engagement. Die Armut ist nicht das größte Problem, wichtig sei es, den Menschen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Gemeinsam mit Peter Daniell Porsche, der das Projekt unterstützt, ist die Idee zur Theatertournee entstanden. “Es geht darum, einen Platz im Herzen der Menschen zu finden und die Idee von CES Waldorf weiterzuverbreiten, um so noch mehr jungen Leuten aus der Resignation und der Angst ums Überlegen helfen zu können”, sagt der Porsche-Enkel. Gemeinsam haben von Loebell und der Porsche nun das Buch mit dem Titel “Zukunft für Zukunftslose” veröffentlicht, in dem ganz individuelle Geschichten der Menschen aus dem Elendsviertel erzählt werden.”So kann man sich ein gutes Bild über die Wirklichkeit und die Menschen machen, um die es geht”, sagt Porsche.

Wichtiger als die Armut zu bekämpfen sei es, den jungen Menschen zu zeigen, dass sich Konflikte auch gewaltfrei lösen lassen und jeder Einzelne einen Wert in der Gesellschaft hat. Durch CES Waldorf lebt in Bogota der Geist der Zukunft. Es gibt berechtigte Hoffnung, dass zukünftige Generationen nicht mehr mit Hass und Angst zu kämpfen haben sondern dauerhaft friedlich miteinander leben können.

Trotz der drastischen Alltagserlebnisse sagt von Loebell “Kolumbien ist das schönste Land der Welt und die Menschen sind die Nettesten.” Er  erklärt damit auch, warum er Ende der 50er Jahre nach Kolumbien ausgewandert ist. Und auch diese Seite des Landes bekommt das Publikum zu sehen. Zum Ende der Aufführung wird gesungen, getanzt und musiziert.

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Trotz Schicksalschlägen verlieren die Kolumbianer nicht ihre Lebenslust und reißen das Publikum mit.

Letztmalig zu sehen ist das Stück am 20. Mai in der freien Waldorf Schule Kreuzberg in Berlin. Danach geht es für die Nachwuchs-Darsteller wieder zurück in die Heimat, um dort den Hoffnungsfunken auf eine bessere Zukunft auch weiterhin im Rahmen des Projekts CES Waldorf weiterzutragen.

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Mehr Infos über das Projekt gibt es unter www.ceswaldorf.org

Das Buch “Zukunft für Zukunftslose” ist unter anderem erhältlich unter www.polzer.net und im freien Buchhandel.

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