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Eine kleine Muttertagsgeschichte

Manchmal kommt es anders als Mama vielleicht denkt

Passend zum heutigen Muttertag erzählt Daniela Reitshammer in der KOLUMUNE KINDERMUND, wie unerwartet lang man manchmal auf ein lang ersehntes erstes Muttertagsgeschenk warten muss.

Einbeinige Familie auf wilder Wiese (Wachskreide auf A4) (c) Elena Jäger

Einbeinige Familie auf wilder Wiese (Wachskreide auf A4) (c) Elena Jäger

 

Die Zahl der kleinen selbst gebastelten Geschenke, die man von seinen Kindern bekommt, ist groß. Man hütet sie, wie einen großen Schatz. Haben die lieben Kleinen das Basteln erst für sich entdeckt, flattern fast täglich kleine expressionistische Kunstwerke ins Haus. Doch irgendwann muss man schweren Herzens die Kostbarkeiten auf einen schönen und durchaus großen Karton reduzieren.  Zum einen aus  Platzgründen und auch, weil das Gemälde “Einbeinige Familie auf wilder Wiese” (Wachsmalkreide auf A4-Papier) einen unverzeihlichen Stilbruch zur neuen Wohnzimmereinrichtung darstellt.

Auch ich habe mich reduziert auf  kleineren Sachen,  wie selbst gebastelte Weihnachtsdekos, Zeichnungen oder Mutter/Vatertagsgeschenke. Eines dieser wunderbaren Geschenke meiner Tochter liegt mir ganz besonders am Herzen. Das erste Muttertagsgeschenk! Denn zuerst einmal musste ich darauf verzichten.

Meine Tochter ging das erste Jahr in die Krabbelgruppe. Der Muttertag stand vor der Tür und es gab eine Einladung vom Kindergarten für alle Muttis. Mit Kuchen, Singen und feierlicher Übergabe der selbst gebastelten Geschenke.

Ich zerrte mein Töchterchen an diesem Nachmittag in den Kindergarten. Sie war wenig begeistert, auch noch außertourlich dort hinzugehen und bekam in der Vorhalle sogar noch einen Schreikrampf, der sich gewaschen hatte. An eine gemeinsame Feier mit ihren Kindergartenfreunden war nicht mehr zu denken. Also holte sie nur ihr Muttertagsgeschenk ab und  wir gingen wieder heim.

Ich konnte es kaum erwarten, am darauffolgenden Sonntag das erste selbst gebastelte Geschenk meiner geliebten Tochter in Empfang zu nehmen. Sie packte es aus der Tasche, es war eine kleine süße Holzschachtel, prunkvoll verziert. Ich öffnete voller Vorfreude die Hände und sie sagte „Nein“. Überrascht und ungläubig schaute ich sie an und  fragte:  „Willst du mir das nicht schenken? Das hast du doch  für mich gemacht?“ „Nein“, kam es vehement zurück. „Gefällt es dir nicht mehr?“, fragte ich weiter.  “Doch“, antwortete meine Tochter und betrachtete ihr Werk so hingerissen, dass mir schlagartig klar war, das ist nicht mehr mein Geschenk.

Ich habe es mir dann irgendwann heimlich geholt und hüte es heute, ähnlich wie Golum, im Geschenke-Karton als “Mein Schatz“. :-)

 

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